Verghereto

„Sag, hat Romagnas Volk Krieg oder Frieden?
Ich lebt‘ im Bergland dort, zwischen Urbino
Und jenem Kamm, von dem der Tiber herspringt“

(Hölle, 27. Gesang, 28-30)

Als Feuerzunge in Malebolge beschreibt Guido da Montefeltro nostalgisch sein schönes römisches Heimatland in den Bergen zwischen Urbino, im Montefeltro und dem Gipfel des Fumaiolo, wo der Tiber entspringt.

Dantes Verse begleiten uns bei der Entdeckung der Gemeinde Verghereto zwischen der Romagna und der Toskana und insbesondere zum Monte Fumaiolo (1408 m ü.M.), dem höchsten Gipfel des toskanisch-romagnolischen Apennins, auf dem der Tiber, ein den Römern heiliger Fluss, und der Savio, dessen Lauf in Richtung Cesena nach Ravenna abfällt, entspringen.

Der Monte Fumaiolo eignet sich hervorragend zum Wandern und Radfahren auf den zahlreichen gut markierten Wegen: Dies gilt besonders für den Winter, wenn man mit Schneeschuhen in den Zauber des verschneiten Waldes vordringt.

Der Hauptort Verghereto steht auf einem Felssporn, auf dem noch die mittelalterlichen Mauern zu sehen sind. Der Tiber entspringt in der Nähe von Balze, an den Hängen von Fumaiolo, einem bekannten Touristenort. Auf einem der Pässe des Apennins liegt auf 865 m Montecoronaro, das eine große naturalistische Bedeutung hat. Ville di Montecoronaro ist stattdessen der örtliche Förderer der Veranstaltung, die dem kleinsten Slow Food-Zeugnis Italiens gewidmet ist: der Cocomerina-Birne. Alfero, der bevölkerungsreichste Ortsteil der Gemeinde, liegt zwischen den Massiven des Comero und des Fumaiolo. Nicht weit entfernt befindet sich auf einem Gebirgsausläufer zwischen dem Alferello und dem Radice-Graben das Steinhäuserdorf Riofreddo. La Capanna ist hingegen eine Ortschaft mit einer echten Postkarten-Landschaft.

Lassen Sie Ihre Gedanken und Sorgen zu Hause und nehmen Sie nur den Wunsch nach Ruhe, Natur und guter Luft mit. Jeder Schritt, den Sie auf den Wegen des Monte Fumaiolo machen, ist eine Wohltat für Körper und Seele: die Wege sind einfach und gut markiert, verlaufen meist im Wald und sind immer für Überraschungen gut, die auf kurzen Ausflügen leicht erreichbar sind, wie die Quellen des Tibers mit einem nicht weit entfernt gelegenen kleinen Wasserfall, die Einsiedelei von Sant‘Alberico und verschiedene antike Steinhütten, die zum Ausruhen einladen.

Der Monte Fumaiolo wurde als Gebiet von gemeinschaftlichem Interesse anerkannt und ist aufgrund seines großen naturalistischen Wertes Teil des Netzes Natura 2000: Buchen-, Tannen-, Stieleichen- und Kastanienwälder bedecken mehr als die Hälfte des Gebietes. Ein Drittel ist von Wiesen und Bergweiden bedeckt und es gibt spektakuläre Felswände, darunter Ripa della Moia und Balze, die in einem Gebiet liegen, das auch von alten ländlichen Siedlungen geprägt ist.

Der Weg zur Quelle des Savio ist ein bisschen wie eine Reise auf der Suche nach der Identität der Romagna: Man steigt hinauf, es ist anstrengend, aber oben angekommen, kann man sein Ziel genießen und wie die echten Bewohner der Romagna mit einem guten Sandwich, duftendem Aufschnitt und Sangiovese-Wein, dem von den Einheimischen bevorzugten „Heiligen“, an den Picknicktischen rund um die Quelle feiern.

Der Fluss mit dem Namen „Fosso Grosso“ entspringt auf dem Monte Castelvecchio auf 1126 m ü.M. und fließt auf seinem 126 km langen Lauf an Bagno di Romagna, Sarsina, Mercato Saraceno und Cesena vorbei, bevor er zwischen Lido di Classe und Lido di Savio in der Provinz Ravenna in die Adria mündet.

Der Savio hat die Ehre, in der Göttlichen Komödie erwähnt zu werden, da Dante ihn mit „Am Strand des Savio die Stadt Cesena“ (Hölle, 27. Gesang, 52-54) für die Beschreibung der Stadt Cesena wählte. Außerdem heißt es in der volkstümlichen Überlieferung, dass Dante keine sehr hohe Meinung von den Bewohnern von Cesena hatte: In einer Anekdote heißt es, dass der Dichter bei einem versuchten Raubüberfall ein paar Schritte vor der Stadt ausrief: „Hier gibt es nichts Vernünftiges außer dem Fluss.“

An der Quelle des Savio kann man das eiserne Denkmal mit dem Bild des Wolfs, Symbol des Ortsteils Montecoronaro, und die Ringe „caveja“, Symbol der Romagna, bewundern.

Es gibt spektakuläre, ein wenig verborgene Orte, die überraschend auftauchen und direkt das Herz berühren.

Die Alferello-Wasserfälle sind einer davon: Dieser außergewöhnliche Wasserfall liegt ein paar Schritte vom Dorf Alfero versteckt in einem breiten, smaragdfarbenen Becken. Der malerische Wasserfall, der wegen des reichen Fischvorkommens auch „Forellen-Wasserfall“ genannt wird, ist über 30 Meter hoch und entsteht durch die geomorphologischen Eigenschaften des Gebietes, wo Schichten aus schwer zu erodierendem Sandstein und brüchigerem Mergel, dem schönen „Wasserfall“ Leben einhauchen. Nach dem Wasserfall fließt der Bach noch etwa zehn Meter weiter und dann durch eine Reihe schöner tümpelförmiger „Erosionstöpfe“ hinab, in denen man in den wärmeren Monaten Erfrischung findet. Der gut ausgeschilderte Wasserfall ist vom Stadtzentrum in ca. 25 Minuten zu Fuß erreichbar.

Unweit davon kann man die so genannte „Römische Brücke“ bewundern. Es handelt sich um eine Steinbrücke mit einem einzigen Bogen, der auf großen Felsblöcken ruht. Sie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet, um eine gefährliche Überquerung über den Alferello Fluss zu ersetzen, der oft einen hohen Pegel hat.

Ein Urlaub im Oberen Savio-Tal wäre nicht vollständig ohne eine gastronomische Reise im Zeichen der Kulinarik, die hier die Köstlichkeiten aus der Toskana und der Romagna in einem Triumph der Essenzen vereint.

Die Produkte des Unterholzes, wie Pilze, Trüffel und Kastanien, werden von den lokalen Gastronomen gekonnt eingesetzt, um unvergessliche Köstlichkeiten zu kreieren: geröstete Brotscheiben, gebratene Steinpilze, Tortelli alla lastra, frische Nudelgerichte, Fleisch nach der 0-km-Philosphie und traditionelle Desserts.

Während der Herbstzeit kann man nach in die Ortsteile Alfero, Acquapartita oder Selvapiana zwischen Verghereto und Bagno di Romagna hinunterfahren, die in einem der größten Kastanienhaine Europas liegen. Während der Zeit der Kastanienernte kann man bei Privatpersonen aufgenommen werden, die den Touristen ihre Türen öffnen, und vielleicht ein Stück „Castagnaccio“, den typischen Kuchen aus Kastanienmehl kosten.

Die Einsiedelei von Sant’Alberico, eine wertvolle Perle mitten im Grünen

„Der Einsiedler ist einer, den Gott verführt hat und der sich verführen ließ“: Wenn Sie das Gefühl des Lebens als Einsiedler, in Stille und Spiritualität mitten im Grünen erleben möchten, ist dies genau der richtige Ort.

Auf 1147 m ü.M. erhebt sich die Einsiedelei Sant’Alberico, ein Ort der strengen Einsamkeit mitten im Wald, wo Stille herrscht und zum Nachdenken und Beten einlädt. Das Leben des Gründers Alberico, der um 1050 starb, ist nur spärlich dokumentiert: Wir wissen, dass er eine Zelle und zwei Höhlen unterhalb des Fumaiolo baute, wo er als Einsiedler lebte. Die Einsiedelei, die von den Benediktinern gegründet und dann bis 1822 von den Kamaldulensern geleitet wurde, konnte nach einer Zeit des Verfalls mit Don Quintino Sicuro (1920-1968), einem Asketen von außerordentlichem Charisma, wieder zum Leben erweckt werden und wird immer noch von einem Laien-Eremiten bewohnt. Die Einsiedelei ist für Übernachtungen (13 Plätze) für Exerzitien und geistliche Übungen ausgestattet. Am 29. August wird jedes Jahr mit einer feierlichen Messe und einem kleinen Markt mit typischen lokalen Produkten das Fest von Sant’Alberico gefeiert. Im Sommer finden an den Wochenenden oft Freilichtkonzerte statt.

Die Einsiedelei ist nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar, und zwar auf zwei Wegen. Der erste (etwa eine Stunde Fußmarsch) folgt einem Pfad abseits der Straße, der in Richtung Capanne, kurz nach dem Dorf Balze führt. Der zweite führt mit dem Auto von Balze in Richtung Capanne-Alfero. Nach drei Kilometern erreichen Sie links eine Nebenstraße, die sich nach 1 km zu einem großen Platz verbreitert, auf dem Sie das Auto parken können. Von hier aus erreichen Sie mit einem kurzen Anstieg in etwa 10-15 Minuten die Einsiedelei.

Die Einsiedelei Sant’Alberico liegt an der Kreuzung mehrerer Rundwege am Fumaiolo, darunter der Weg des Heiligen Vicinius, der entlang des Saviotals bis nach Sarsina und darüber hinausführt, und der Weg des Heiligen Franziskus, der sich zwischen Rimini und La Verna windet.

Das Haus-Museum von Tavolicci, ein Ort der Erinnerung

Der Sommer 1944 bleibt in den Steinen, auf den Wegen, in den Herzen der Gemeinschaft in diesem Abschnitt des Apennins eingemeißelt. Hier verlief die Gotische Linie, vom Tyrrhenischen Meer bis zur Adria, von der Toskana über die Romagna bis zu den Marken. In einer Spirale von Repressalien und Gewalt war sie der Schauplatz zahlreicher dramatischer Episoden von Massakern an Soldaten und Zivilisten zwischen dem Frühjahr und Herbst 1944, deren Erinnerung aus Respekt vor den Opfern und zur Vermeidung ähnlicher Ereignisse in der Zukunft zu bewahren ist.

In Tavolicci, einem kleinen Dorf in der Gemeinde Verghereto, fand eines der grausamsten Massaker statt: Am 22. Juli 1944 drangen Einheiten des 4. Bataillons der deutsch-italienischen Polizei in das kleine Dorf ein und töteten 64 Einwohner, davon 19 unter 10 Jahren: Sie wurden in ein Haus im Zentrum des Dorfes gesperrt und bei lebendigem Leib verbrannt.

Eine Woche später erschossen Einheiten desselben Bataillons zusammen mit italienischen SS-Einheiten am 29. Juli auf dem Passo del Carnaio, in der wenige Kilometer entfernten Gemeinde Bagno di Romagna, weitere 27 Menschen, die zum Teil aus dem örtlichen Altenhospiz stammten.

Das Haus-Museum von Tavolicci wurde kürzlich restauriert und eine Multimedia-Ausstellung eingerichtet. In Führungen (zu buchen) können die Besucher diese Episoden zurückzuverfolgen und die Erinnerung und die Warnung, die uns die Geschichte lehrt, wachhalten.

In der Nähe gibt es auch einige Wege, auf denen man die „Orte der Erinnerung“, des Kampfes der Zivilisten und Partisanen entlang der Gotischen Linie, besuchen kann.

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