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Ravenna

ante verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in Ravenna, wo er in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1321 wahrscheinlich aufgrund der Folgen einer Malaria, mit der er sich während einer diplomatischen Vertretung in Venedig angesteckt hatte, verstarb. Die feierliche Beerdigung wurde in der Basilika S. Francesco abgehalten, die im 14. Jahrhundert als renommierte Kultur- und Kultstätte fungierte. Ravenna ist in der Göttlichen Komödie mehr als präsent. Der Ortsname wird nicht nur explizit genannt, es werden auch eine Reihe von poetischen Anspielungen gemacht. Berühmt ist der wehmütige Gedanke Francescas im 5. Gesang der Hölle: „Gelegen ist der Ort, wo ich geboren, am Meeresstrand, zu dem der Po hinabsteigt, um mit den Nebenflüssen Ruh zu finden“. Francesca ist wohl die wichtigste der vielen aus Ravenna stammenden Personen, die Dante auf seiner Reise ins Jenseits trifft, und ist nach Virgil zweiter Gesprächspartner des Reisenden. Begünstigt wurde sein Aufenthalt in Ravenna durch die Gastfreundschaft des Stadtherren von Ravenna, Guido Novello Da Polenta, der die Stadt von 1316 bis 1322 regierte. Der Dichter lebte in einem von seinem Gastgeber zu Verfügung gestellten Haus (dessen genaue Lage ist heute nicht mehr bekannt), in dem auch die Kinder Dantes, Pietro, Jacopo und Antonia (sie trat unter dem Namen Beatrice ins Kloster ein), Unterkunft fanden. Die Zeit in Ravenna war von Lebensglück und Studium geprägt. Der aus Florenz verbannte Dichter ließ an seinem letzten Zufluchtsort Ravenna seine literarische Hinterlassenschaft und die Eklogen zurück, in denen in Form einer Hirtenallegorie einige Personen aus dem um den Dichter entstandenen Kreis treuer Freunde und Bewunderer auftreten. Vor allem aber beendete er hier seine Göttliche Komödie, also die letzten Gesänge des Paradieses, von denen Boccaccio, erster Biograf des berühmten Dichters, erzählt, wie sie auf abenteuerliche Weise von Dantes Sohn Pietro aufgefunden wurden. Nach seinem Tod waren hier Meister und Literaten am Werk, welche die Stadt zu einem wichtigen Zentrum des frühen Humanismus gemacht haben, die erste Verbreitung des Werks vorantrieben und den Grundstein für einen wahren Kult legten.

Das Dante-Grabmal, das von den Bewohnern Ravennas zum absoluten Symbol der Identität der Stadt erhoben wurde und als solches erlebt wird, wurde von Kardinal Legato Luigi Valenti Gonzaga bei Camillo Morigia in Auftrag gegeben, der den kleinen Tempel im Jahr 1781 fertigstellte. Das Bauwerk ist zwar nicht besonders groß, respektiert jedoch die Anforderungen des klassizistischen Kanons des 18. Jahrhunderts. Das Grabmal liegt am Ende der Via Dante, zwischen dem zweiten Kreuzgang des Franziskanerklosters, der Chiostro della Cisterna oder Dante-Kreuzgang genannt wird, und dem Quadrarco di Braccioforte. Das kleine Gebäude besteht aus einer mit dorisch umrahmtem Dreiecksgiebel versehenen Fassade, an der sich unterhalb eines Rundbogens die Eingangstür auftut. Am Architrav ist die Inschrift “Dantis poetae sepulcrum” zu lesen; auf dem überhängenden Dreiecksgiebel befindet sich eine Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt und so die Ewigkeit symbolisiert. Die kleine Kuppel schließt mit einem Pinienzapfen, der in der Antike als Symbol für die Bestattung stand.

Die Stadt Ravenna und ihr Umland, die Romagna, stehen seit jeher für Gastfreundschaft und kulinarische Tradition.
Auf einer typischen Speisekarte nicht fehlen dürfen die leckeren, handgemachten Nudelgerichte, wie Tagliatelle und Lasagne, die Spinatklößchen in Fleischsauce
„Strozzapreti al Ragù“, die aus Parmesan und Eiern zubereiteten Suppennudeln „Passatelli“ und die Cappelletti mit Käsefüllung, die mit Fleischsauce oder aber in Brühe serviert werden. Wichtig natürlich auch die Fischgerichte, wie Risotto oder Tagliolini mit Meeresfrüchten und Spaghetti mit Venusmuscheln.
Danach werden Fleisch oder Fisch vom Grill serviert, dazu feine Weine von den hiesigen Weinhügeln.
Nicht verlassen darf man die Romagna, ohne eine knusprige Piadina probiert zu haben, die entweder mit dem hier typischen Weichkäse Squacquerone di Romagna oder leckeren Aufschnitten und Wurst gefüllt wird.

Die Basilika S. Francesco wurde Mitte des 5. Jahrhunderts von Bischof Neone in Auftrag gegeben und den Aposteln gewidmet. Um das
10. Jahrhundert wurde sie erneuert, zur Basilika umgewandelt und nach San Pier Maggiore benannt; im Jahr 1107 erlangte sie den Titel einer Pfarrkirche. Im Jahr 1261 wurde sie den Franziskaner-Minoriten überlassen, die sie bis ins Jahr 1810 nutzten, in dem die religiösen Orden von Napoleon I. aufgelöst wurden. Erst seit 1949 feiern die Franziskaner erneut die Messe in dieser Kirche.
Auf Höhe der Via Zagarelli alle Mura 2 befindet sich ein altes Haus, das als „Haus der Francesca“ bezeichnet wird, auf das 13. Jahrhundert zurückgehrt und der Familie Da Polenta gehörte. Diese Familie herrschte über Ravenna, seit Guido Minore Da Polenta, Herr der Guelfen und Vater der Francesca, im Jahr 1275 seine politischen Gegner aus der Stadt vertrieben hatte. Diese Herrschaft dauerte bis ins Jahr 1441, in dem die Republik Venedig die Macht übernahm. Der Quadrarco di Braccioforte befindet sich in unmittelbarer Nähe des Dante- Grabmals. Der Beiname “Braccioforte” ist auf eine antike Legende zurückzuführen, nach der zwei Gläubige hier einen Eid abgelegt hätten und dazu den „starken Arm“ Christi (ital. braccio forte) anriefen, dessen Bildnis hier erhalten war. Im Inneren des Bauwerks befinden sich die Sarkophage „Pignatta“ und „Traversari“, die zwischen dem 5. Und 6. Jahrhundert datiert werden, in Folge aber zur Bestattung von Adeligen aus Ravenna wiederverwendet wurden. Drei weitere Sarkophage befinden sich in dem kleinen Garten nahe der Schwelle, wo die Überreste Dantes während des Zweiten Weltkriegs aufbewahrt wurden.

Die langjährige Tradition der Mosaikkunst durchdringt die Stadt Ravenna noch heute. Dafür garantieren jene Künstler, die mit ihren Werken diese antike Kunst fortsetzen und weitergeben: Zahlreiche Werkstätten bieten Gegenstände und Souvenirs, die sich durch einen traditionellen Ansatz oder zeitgenössisches Design auszeichnen.
Die bedruckten Stoffe werden noch heute wie damals hergestellt: Auf die handgefertigten Druckformen wird eine Farbcreme auf Mineralbasis in unterschiedlichen Farben aufgetragen. Typisch ist vor allem das Rostbraun, das aus einer Mischung von Eisenoxid mit Mehl und Weinessig hergestellt wird.
Verbreitet ist in der Stadt bis heute auch die byzantinische Stickerei orientalischen Ursprungs, die auf das 5. Jahrhundert zurückgeht, als damit die Gewänder der Exarchen und ihrer Höflinge verziert wurden.

Die Basilika Sant’Apollinare Nuovo, die Theoderich der Große (493-526) neben seinem Palast errichten ließ, war zunächst eine Hofkirche arischen Kults. Nach der Rückeroberung durch die Byzantiner und die Wandlung zum orthodoxen Kult (Mitte des 6. Jahrhunderts) wurde sie nach Martin von Tours benannt. Der Legende nach sollen die Reliquien des Heiligen Apollinaris von der Basilika in Classe im 9 Jahrhundert hierher überstellt worden sein. Zu diesem Anlass wurde die Basilika nach dem Heiligen Apollinaris benannt. Der Beiname „Nuovo“ diente dazu, um sie von einer anderen Kirche der Stadt mit demselben Namen zu unterscheiden.

Die Basilika Sant’Apollinare in Classe steht eindrucksvoll und feierlich rund 8 km vom Zentrum Ravennas entfernt. Errichtet wurde sie von Giuliano Argentario im Auftrag des Erzbischofs Ursicino während der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts. Gebaut wurde die Kirche auf einem ehemaligen Friedhofsgelände, das vom späten 2. Jahrhundert bis ins frühe 3. Jahrhundert als solches genutzt wurde und wo der Bischof Apollinaris selbst bestattet worden sein soll. Die Kirche wurde als wichtigstes Beispiel für eine frühchristliche Basilika bezeichnet. Trotz der im Laufe der Jahrhunderte stattgefundenen Plünderungen bewahrt die Kirche bis heute die Schönheit der ursprünglichen Struktur und ist vor allem für die wunderschönen, mehrfarbigen Mosaike der Apsis und die alten, erzbischöflichen Marmorsarkophage bekannt, die sich an den Seitenschiffen befinden.

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