Modigliana

Modigliana liegt im Tramazzo-Tal zwischen den Bergen des toskanisch-romagnolischen Apennins. Durch den Ort fließen die Bäche Ibola, Acerreta und Tramazzo, die alle in den Marzeno münden.
Die erste Schrift, in der das heutige Modigliana erwähnt wird, stammt von Tito Livio (Storie XXXI), der von der Schlacht von „Castrum Mutilum“ schreibt, in der die Kelten die Römer besiegten (201 v. Chr.).
Erst im 10. Jahrhundert n. Chr. entstand aus der Verbindung zwischen der Gräfin Englarada und dem Grafen Tigrin die Dynastie der Guidi, eine der mächtigsten Familien der Romagna-Toskana, die vier Jahrhunderte lang über die Stadt herrschte. Der Niedergang der Familie Guidi begann 1225, aber erst 1337 wurden sie durch einen Aufstand des Volkes unter der Führung von Durante Doni endgültig vertrieben.
Modigliana kam so unter den Einfluss des Großherzogtums Toskana und wurde von Leopold II. 1838 zur „Città nobile“ erklärt. Im August 1849 schloss sich der Priester und Patriot Don Giovanni Verità (Modigliana 1807) Giuseppe Garibaldi auf dem Tramazzo an, um ihm bei der Flucht vor den Österreichern zu helfen, wodmit er eine Seite des italienischen Risorgimento schrieb.
Im Jahr 1940 bekam Modigliana den Stadtstatus übergeben.
In der Nachkriegszeit änderte sich die wirtschaftliche Struktur. Während die Bevölkerung zu Beginn des Jahrhunderts vor allem in Spinnereien und in der Seidenverarbeitung beschäftigt war, findet man heute im Gebiet moderne Industrien und fortschrittliche Landwirtschaft.
Silvestro Lega ist der berühmteste Bürger (Modigliana 1826), der größte Vertreter der Kunstrichtung der Macchiaioli zusammen mit Giovanni Fattori und Telemaco Signorini.

Der Verband „Modigliana – Stella dell’Apennino“ fördert die Zusammenarbeit der Wein- und Olivenproduzenten im Tramazzo-Tal. Das Gebiet auf dem mergeligen und sandigen Massiv des Apennins, das auf der Höhe bewaldet ist, wird als einzigartiges „Terroir“ anerkannt, das die Weine von Modigliano auszeichnet, die auch an den ökologischen Besonderheiten der drei Täler zu erkennen sind: Acereta mit feineren Weinen, Tramazzo mit ausgewogenen, perfekten Weinen, Acereta mit fruchtigeren und erdigen Weinen. Die dem Verband angehörenden Firmen heißen: Agrintesa, Casetta dei Frati, Castelluccio, Fondo S. Giuseppe, Lu.Va. Menta e Rosmarino, Mutiliana, Il Pratello, Il Teatro, Torre San Martino, Villa Papiano. Sie bieten Direktverkauf, Besichtigungen und Verkostungen.

ALPI S.p.A. ist die Geschichte eines Manufakturbetriebs, der sich der Exzellenz verschrieben hat. Das 1919 von Pietro Alpi gegründete Unternehmen war weltweit das erste, das den Produktionsprozess von Verbundholz industrialisierte. Es wurde als Tischlerei gegründet und entwickelte sich zu einem führenden Unternehmen in der Produktion von dekorativen Oberflächen. Der Wendepunkt kam in den 1950er Jahren, als Valerio Alpi in das Unternehmen eintrat und einen flächendeckenden Vertrieb in ganz Italien auf den Weg brachte. Ab den 1980er Jahren begannen mit Vittorio Alpi wertvolle Kooperationen mit führenden Designerunternehmen, mit denen die große Synergie des Unternehmens mit der Welt des Designs deutlich wird. Piero Lissoni hat seit 2015 die Funktion des Art-Directors.

Vor der Kulisse des toskanisch-romagnolischen Apennins stellt ein kleiner Handwerksbetrieb den „Mandel-Schokoladen-Kuchen aus Modigliana“ her. Der im 19. Jahrhundert mit antiken Aromen kreierte Kuchen wurde 1909 mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Der Mandelkuchen, der 2010 als traditionelles Lebensmittelprodukt (P.A.T.) Emilia-Romagna anerkannt wurde, wird von Maurizio Mortani, Inhaber von „Modigliantica“, herstellt und gehört seit 2015 zum Presidio Slow Food „Arca del Gusto“. Lonely Planet, einer der bekanntesten internationalen Reiseführer für Touristen und Reisende, erwähnt in seinem Reiseführer über die Emilia-Romagna den Mandel-Schokoladen-Kuchen von Modigliana.

Seit fast 40 Jahren stellt Giuseppe Valli hand- und maßgefertigte Freizeit-, Arbeits- und klassische Schuhe für Zeremonien in großen und kleinen Größen, mit hohem Schaft und breiter Sohle her, die mit einem Fußbett versehen werden können. Zur Produktpalette gehören auch Gürtel, Geldbörsen und Accessoires in einem einzigartigen und unverwechselbaren Stil. Die Handwerkskunst in der Verarbeitung, die im Laufe der Zeit erworbene Professionalität, die Fingerfertigkeit und Präzision in den kleinsten Details und die Auswahl hochwertiger Leder machen die handgefertigten Schuhe von Giuseppe Valli zu einem einzigartigen Produkt von höchster Qualität, das weltweit von einer anspruchsvollen und internationalen Kundschaft geschätzt wird.

Die Pinakothek Silvestro Lega
umfasst einen bedeutenden Bestand an Werken aus dem italienischen 19. und 20. Jahrhundert. Der Meister der Macchia-Technik Silvestro Lega (Modigliana 1826) ist eine grundlegende Präsenz mit einer Gruppe von Werken, die diesen Ort zu einer wichtigen Etappe im Leben des berühmten Malers machen. Michele Campana, Journalist und Schriftsteller (Modigliana 1885), legte mit seinem Nachlass aus Gemälden wichtiger Künstler wie A. Gatti, G. Micheli, A. Spadini, C. Servolini, den Grundstein für die Entstehung der Pinakothek. Mit dieser Schenkung wollte der damalige Bürgermeister Gilberto Bernabei eine Ankaufspolitik betreiben, indem er den Lega-Preis (von 1959 bis 1968) ins Leben rief, mit dem Kunst und Künstler gefördert werden sollten. Auf diese Weise stattete er Modigliana mit einer Sammlung an Werken von beispielsweise G. Alviani, C. Pozzati und P. Mesciulam aus, die von den Avantgarde-Bewegungen der 1950er und 1960er Jahre zeugt. Im Jahr 2013 kam eine Schenkung mit Werken von Vitiliano Liverani und Maddalena Zanetti hinzu, die sich über eine Zeit von den 1950er bis zu den 1980er Jahren erstrecken. Darunter: E. Vedova und D. Buzzati.

Das Stadtmuseum
befindet sich im Haus von Don Giovanni Verità (1807-1885), dem patriotischen Priester, der berühmt wurde, weil er im August 1849 dem von den Österreichern und dem Papst verfolgten Giuseppe Garibaldi Zuflucht gewährte. Das Gebäude bewahrt die ursprüngliche Form eines kleinen bürgerlichen Haus aus dem 19. Jahrhundert. Das Museum erzählt die Geschichte von Modigliana, das zeitweise zu den Protagonisten der nationalen Geschichte gehörte und viele illustre Persönlichkeiten hervorbrachte, wie den berühmten Maler Silvestro Lega, den patriotischen Priester Don Giovanni oder die außergewöhnliche Opernsängerin Pia Tassinari. Museumsbereiche: Archäologie, Risorgimento, Widerstand, Waffenhalle, Pia Tassinari.

Die „Roccaccia“ oder Burg der Grafen Guidi
geht auf das 9. Jahrhundert zurück. Die Befestigungsarbeiten des gesamten Gebiets über dem Fluss Tramazzo endeten erst 1534, als die Verteidigungsmauern zugunsten des Borgo Nuovo errichtet wurden, der zwischen Borgo Vecchio und dem Wildbach eingeschlossen waren. Als die Festung am Ende des 16. Jahrhunderts nicht mehr zur Verteidigung gebraucht wurde, hat man sie aufgegeben. In dieser Zeit unternahm Florenz nämlich den Bau weiterer militärischer Festungen, die den neuen Waffen besser widerstehen konnten. Plünderungen, Erdbeben und Verfall haben zur Beschädigung des Bergfrieds beigetragen. Trotzdem ist es auch heute noch ein imposantes Gebäude, das Modigliana dominiert und das man von der Straße vom Monte Trebbio nach Dovadola aus bewundern kann.

Der Wald von Montebello
an den Hängen des romagnolischen Apennins, besteht aus einem über 320 ha großen Naturgebiet mit 22 km Waldwegen, die zu Fuß, zu Pferd und mit dem Mountainbike befahren werden können. Außerdem gibt es 2 Naturlehrpfade, über 30 km markierte Wanderwege, ein dichtes Netz von Aquädukten und einige Brunnen, die immer nutzbar sind. Der Wald und das Anwesen sind an das CAI-Wegenetz des oberen Faenza-Apennins und an das Wegenetz des Nationalparks der Casentino-Wälder angeschlossen. Auch der wichtige Cammino di Assisi führt durch Montebello. Der Wald und seine Wanderwege sind mit Rastplätzen ausgestattet.

Die Grafen Guidi
regierten über 400 Jahre und waren eine der bedeutendsten Familien Italiens, deren Geschichte mit den politischen und militärischen Ereignissen der Zeit verstrickt sind. Die welfische Familie Guidi war an mehreren Ereignissen gegen die Ghibellinen Mittelitaliens beteiligt, von denen eines auch von Dante Alighieri im 16. Gesang der HÖLLE (Verse 37 bis 40) der Göttlichen Komödie erwähnt wird. Guido Guerra kämpfte in der Tat in der Schlacht von Benevento (1266) mit den Welfen von Karl I. von Anjou an der Spitze eines Schwadrons schwerer Kavallerie und trug so zur endgültigen Niederlage der Ghibellinen in der Toskana bei. Aus diesem Grund wurde er von Dante, der im Grunde genommen auf der Seite des Imperiums stand, in den höllischen Kreis der Sodomiten aufgenommen:

„Der trefflichen Waldrada Enkel ist er,
hieß Guido Guerra, hat in seinem Leben
im Rate und im Feld gar viel vollbracht.“

Alles Wege Dante erkundet...