Mercato Saraceno

Über die sanften Hügel, die den Savio-Fluss einschließen, erreichen wir das fruchtbare Land von Mercato Saraceno, das seinen Namen den Saraceno degli Onesti verdankt, einer adligen Familie aus Ravenna, die von Dante in der Göttlichen Komödie durch Guido del Duca (Guido degli Onesti), einem der Neider im 14. Gesang des Fegefeuers („…wisse, daß ich Guid’ del Duca hieß“ , Fegefeuer, 14. Gesang, 81) dargestellt wird.

Durch die Lage von Mercato Saraceno bietet sich die Ortschaft für Markt-, Handel- und Tauschtätigkeiten: Er liegt nämlich an einem Kreuzungspunkt wichtiger Routen und am Fluss Savio, der auch von Dante in der Hölle erwähnt wird (Hölle, 27. Gesang, 51). Nennenswert ist hier auch eine ausgeprägte landwirtschaftliche Produktion, aus der vor allem ausgezeichnete Weine hervorgehen.

Den Wein nimmt Dante als Metapher für das Leben: Er wird aus dem irdischen Bestandteil – dem Weinstock – geboren, auf dem der Geist – die Strahlen der Sonne – die mit ihrer Wärme das göttliche Wunder vollbringen („Will dir mein Wort zuviel zu staunen geben/Sieh, wie der Strahl der Sonne wird zu Wein/Dem Saft sich paarend, der entquillt den Reben!“, Fegefeuer, 25. Gesang, 77).

Ein antiker und faszinierender Ort, wo die Wege für Trekking-, Mountainbike- und Radfahrbegeisterte durch antike Dörfer führen, wie Linaro mit seiner steilen Klippe und den Burgruinen, die kleinen abgelegenen Dörfer Serra und Tornano oder der Weiler Paderno, der wertvolle Schätze über die Geschichte des 20. Jahrhunderts bewahrt.

Ein dichtes Netz von Wanderwegen durchzieht das gesamte Gebiet und führt an überraschende Umgebungen vorbei. Dazu gehört der Fosso Sassignolo, ein wahres Paradies mit üppiger Vegetation und artenreicher Vogelpopulation, oder der Rundgang von Serra Piedimonte, der auf wenigen Kilometern 4 Gemeinden und 2 Provinzen berührt. Natur und Religion sind die Protagonisten der Route von Valleripa und Montalone, entlang des Wildbaches Borello, wo man zwischen Schluchten und Felsen das Kloster von Valleripa aus dem 16. Jahrhundert erreicht und bis nach Rivoschio kommt. Die Sentieri del Tasso (Dachspfade) umgeben das Dorf Linaro und sind nach dem Dachs benannt, der in diesem Gebiet in großer Zahl anzutreffen ist. Für die Wanderungen kann man sich zum Parkplatz der Burg von Linaro begeben, wo sich eine Tafel befindet, auf der alle Wanderwege (Sentiero della Contessa, di Nuvoleto, „delle lavandaie“) beschrieben sind.

Sangiovese DOP, Albana und Famoso IGT: Lassen Sie sich bei einer Weinkellertour, bei der Sie die lokalen Erzeuger kennenlernen werden, die mit Leidenschaft dieser Arbeit nachgehen und dieses großzügige Land lieben, von den drei Weinen von Mercato Saraceno überzeugen. Unweit von der Altstadt befinden sich die gut gekennzeichnete Wine House der Gegend, die in der Lage sind, die Unverfälschtheit der von Generationen hergestellten Weine mit der Innovation und dem unternehmerischen Geschick der jungen Erzeuger zu verbinden. Angeboten wird eine ideale Kombination von Rot-, Weiß- oder Roséweinen mit typischen Produkten, zu denen Aufschnitt, Käse, Fladenbrot oder eingelegtes Gemüse gehören. Im Frühling muss man unbedingt das typische Osterbrot „Pagnotta Pasquale“ von Mercato Saraceno kosten. Die Entstehung dieses typischen romagnolischen Kuchens ist zwischen Mercato Saraceno und Sarsina umstritten.

Jeder in der Romagna ist ein wenig Radsportler. Nicht nur wegen des legendären „Piraten“ Marco Pantani, der auf diesen Straßen Tausende von Kilometern zurückgelegt hat, sondern auch wegen der Lust an der Herausforderung und am Wettkampf, an der es hier nie mangelt. Mercato Saraceno kann sich einer der schwierigsten Herausforderungen für Pedalritter rühmen: der Barbotto-Anstieg, die anspruchsvollste Strecke des Granfondo Nove Colli, das auch auf internationaler Ebene als eines der beliebtesten Radrennen gilt. Mit einer Länge von 5,5 km, einem Höhenunterschied von 372 m und einer durchschnittlichen Steigung von 6,9 % (mit Spitzenwerten von 18 %!) ist der Barbotto der Schrecken aller Radfahrer, die für eine persönliche Herausforderung hierherkommen, wenn sie ihre Beine bereits trainiert haben.

Jenen Sportlern, die noch etwas Atem haben, empfehlen wir, das Panorama inmitten von Rebzeilen, sanften Hügeln, Schluchten und blühender Vegetation zu bewundern.

Die Pfarrkirche Montesorbo

In Montesorbo, nur wenige Kilometer vom Mercato Saraceno entfernt, ist die Pieve di S. Maria Annunziata ein bewundernswertes Beispiel für eine romanische Kirche mit dem Grundriss eines in der Gegend einzigartigen griechischen Kreuzes. Sie stammt vermutlich aus dem 8. Jahrhundert und wurde im Laufe der Jahrhunderte (z.B. im 12. Jahrhundert) verschiedenen Umbauten unterzogen. Die Pfarrkirche war im frühen Mittelalter von großer Bedeutung. Das Savio-Tal war nämlich eine vielbefahrene Verkehrsstraße und eine Pfarrkirche mit angeschlossenem Hospital war für die Rompilger von lebenswichtiger Bedeutung. Das Äußere ist aus Stein und Ziegeln. Die Fassade wurde mit antikem, wiedergewonnenem Marmor verziert und die Außenwände verdanken ihr Aussehen den Restaurierungsarbeiten am Ende des 17. Jahrhunderts.

Es ist vor allem das Innere, das die Pfarrkirche von Montesorbo zu einem einzigartigen künstlerischen und architektonischen Zeugnis macht. Es enthält Elemente von großem Interesse, wie das Weihwasserbecken aus dem 2. Jahrhundert, die mittelalterlichen Inschriften oder die verschiedenen Ordnungen und Arten von Säulen, die von ihrer komplexen Geschichte zeugen. Der ungewöhnlichste Fund zeigt eine Hand, ein Gesicht und ein Kreuz. Es ist möglicherweise das Symbol, das die Kirche als Ort des Gebets und der Erfrischung für Pilger auszeichnete.

Die Pfarrkirche Santi Cosma e Damiano

Die Entdeckungstour der Pfarrkirchen ist insbesondere denjenigen gewidmet, die auf der Suche nach antiken Kultstätten sind, die in der Vergangenheit auch einen weltlichen Bezugspunkt für die Landbevölkerung darstellten, da sie nicht nur eine religiöse und rituelle, sondern auch eine zivile, wirtschaftliche – soziale und sogar politische Funktion im täglichen Leben während des Mittelalters und in späteren Zeiten hatten.

Neben der Pfarrkirche von Montesorbo ist das zweite Juwel von Mercato Saraceno die Pfarrkirche Santi Cosma e Damiano, die sich im Ortsteil San Damiano gleich außerhalb der Altstadt von Mercato Saraceno befindet. Sie ist die erste Pfarrei der Diözese Sarsina und wird bereits im Jahr 972 in Dokumenten erwähnt. Sie ist ein Beispiel für eine frühmittelalterliche Kirche, die um 850 n. Chr. gegründet und dann mehrmals umgebaut wurde. Das auf 1601 datierte Altarbild wird dem Maler Bernabino Guarini aus Ravenna zugeschrieben. Die Fresken im Presbyterium und an der Decke des Kirchenschiffs stammen von Michele Valbonesi, einem Maler aus Ranchio aus dem 18. Jahrhundert.

Paderno, vom Castrum zur Villa von Arnaldo Mussolini

Paderno ist ein kleines Dorf auf den Hügeln des Tals des Flusses Savio, wenige Kilometer von Mercato Saraceno entfernt, ein Ort, der unerwartet viel Geschichte bietet.

Zu den ältesten Zeugnissen gehört das Castrum Paderni, das 1220 von Kaiser Friedrich II. der Kirche von Sarsina in Konzession gegeben wurde.

Aus der jüngeren Geschichte sehen wir die Villa Teodorani, eine eindrucksvolle Residenz, in der sich der italienische Rationalismus mit Art-Déco-Elementen vermischt: Hier beschloss Arnaldo Mussolini, Bruder des Duce, in der Villa, die der Familie seiner Frau gehörte, sein privates Arbeitszimmer als stillen Ort zum „buen retiro“ (Zurückziehen) einzurichten. In Paderno gibt es einen kleinen Friedhof, an dem auf Wunsch von Benito Mussolini der Leichnam seines Bruders bestattet ist; dort ruhen auch Arnaldos Frau und sein Sohn, Sandro Italico, der 1930 an einer schweren Krankheit starb. Ein langwieriger Prozess der Katalogisierung von Arnaldos Bibliothek und Archiven, die als historisch interessant erklärt und vom Staat durch die Oberaufsichtsbehörde für das kulturelle Erbe geschützt wurden, ist kürzlich abgeschlossen worden.

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