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Marradi

Marradi liegt jenseits des Gebirgspasses Passo della Colla in der Toskana an der Grenze zur Emilia-
Romagna, und zwar an den Ufern des Flusses Lamone, der in Ravenna mündet. Eben diese zentrale Lage zwischen Florenz, Faenza und der Adriaküste haben diesen Ort in der Vergangenheit reich gemacht. Und so sind die Reisenden, die mit der legendären, von Florenz nach Faenza führenden Eisenbahn hier ankommen, meist überrascht, hier eine für Bergregionen ungewöhnliche Stadtstruktur vorzufinden: Die Wohnungen und Herrschaftspalais erinnern eher an die Straßen des Altstadtzentrums von Florenz. Zu diesem Ortsbild beigetragen haben vor allem Adelsfamilien wie die aus Pistoia stammenden Fabroni und die aus Mailand kommenden Torriani, die hier im Exil nicht auf die Vorzüge und Eleganz der Stadt verzichten wollten. Das an Wäldern und klaren Gewässern reiche Umland von Marradi ist das ideale Ziel für Wanderbegeisterte, Mountainbiker und Reitsportliebhaber. Das Angebot umfasst: einen Familienspaziergang vom Ort zur Rocca di Castiglionchio, eine alte Festung aus dem 6. Jahrhundert, die das Panorama über das gesamte Lamone-Tal beherrscht; und eine etwas anstrengendere Wanderung zum Eremo di Gamogna, ein antiker Klosterkomplex, der im Jahr 1053 von San Pier Damiani gegründet wurde und den man von Ponte della Valle, Ortschaft Lutirano, aus über einen Weg erreicht, ebenso wie über den Gebirgspass Passo dell’Eremo auf der Provinzstraße, die Marradi mit San Benedetto in Alpe verbindet

Der heute vollständige renovierte Palazzo Torriani aus dem 16. Jahrhundert ist der beste Beweis. In seinem Inneren sind wunderschöne Dekorationen von Galileo Chini sowie ein Gemälde von Silvestro Lega erhalten. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein weiteres Juwel der Ortschaft Marradi: das aus dem
18. Jahrhundert stammende Theater „Teatro degli Animosi“. Als Herz des Altstadtzentrums gilt die wunderschöne Piazza Le Scalelle, an der sich das Stadtpalais Palazzo Comunale mit seinem luftigen Bogengang, der aus dem 17. Jahrhundert stammende Palazzo Fabroni und die Suffragio-Kirche befinden. Sobald man die über den Fluss führende Brücke überquert hat, sollte man unbedingt auch der Kirche San Lorenzo einen Besuch abstattet, in der wunderschöne Gemälde aus dem späten 15. Jahrhundert erhalten sind. Sie werden dem Maestro di Marradi zugeschrieben, einem unbekannten Maler, der neben Domenico Ghirlandaio um 1475 tätig war. Nicht zu vergessen natürlich auch der Umstand, dass der berühmte Dichter Dino Campana, Verfasser des Meisterwerks „I Canti Orfici“, in Marradi geboren wurde und hier sein Leben verbrachte. In dem nach ihm benannten Kulturzentrum wurde auch ein Campana-Studienzentrum eingerichtet, das Gelehrten und Studenten aus aller Welt als wichtige Anlaufstelle dient.

Es gilt als absolutes Muss, mittags oder abends die typischen Gerichte dieses Stückchens Land zwischen Emilia- Romagna und Toskana zu probieren: Ravioli mit Ricotta-Spinat-Füllung, Tagliatelle mit Steinpilzen, Wildschwein oder Trüffel der Saison, Cappelletti mit Stracchino- und Raveggiolo-Käse, gegrilltes Wild- und Lammfleisch, das Biskuitdessert Zuppa Inglese, Mürbeteigkuchen und Ricottatorte, gebackene Creme und im Herbst all die Mehlspeisen aus der Mugello-Marone IGP, die hier jedes Jahr im Rahmen des großen Maronenfests „Sagra delle Castagne“ gefeiert wird. Marradi ist nämlich die Heimat der Marone “marron buono”: Zahlreiche Hügel sind bedeckt von Kastanienhainen, die wie gepflegte Gärten eine Abwechslung zur langweiligen Sanftmut der wild wachsenden Vegetation bilden. Die Liebe zu dieser Pflanze und der Wunsch nach einem Projekt, das ihr in jeder Hinsicht gerecht wird, haben zur Entstehung der Maronenstraße „Strada del Marrone del Mugello di Marradi“ geführt, auf der die Touristen eine buchstäbliche Reise in die Welt der Marone unternehmen können.

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