Longiano

Durch eine außergewöhnliche geographische Lage, die einen Ausblick von der Ebene über die Berge bis zur Adria gewährt, erhebt sich wenige Kilometer von der Via Emilia entfernt der Ort Longiano auf den Hügeln zwischen Cesena und Rimini im Rubicone-Tal.

Die Siedlung entwickelte sich ab dem 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. zur Zeit der Barbareneinfälle, als sich die Bevölkerung aus der Ebene und insbesondere aus der wichtigen Ortschaft San Giovanni in Compito auf den Berg flüchtete. Longiano wird zum ersten Mal in einem Pergament von 1059 erwähnt, als der Bischof Uberto von Rimini dem Grafen Everardo und der Gräfin Marozia verschiedene Grundstücke „de castro Lonzano“ bewilligte. Im Laufe der Zeit – das Longiano-Lehen und die Burg kam in den Besitz der Malatesta und ging dann an den Grafen Rangoni von Modena über – entwickelte sich der Ort und erlebte eine Blütezeit während des Mittelalters und der Renaissance. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das nicht weit von der Gotischen Linie entfernt gelegene Gebiet von Longiano durch die Bombenangriffe der Alliierten viele Schäden: Von der Zeit zeugt noch der Schutzbunker, der teilweise die Altstadt durchquert.

Das Gemeindegebiet erlebte in den 1960er und 1970er Jahren einen wichtigen Moment der industriellen Entwicklung im Gebiet zur Ebene hin, wo sich zahlreiche Unternehmen und Wohnviertel ansiedelten. Die kreisförmig angelegte Altstadt und die konzentrischen Straßen, die zur Malatesta-Burg führen, sind gut erhalten und die Doppelmauern noch heute gut sichtbar. Im Jahr 1992 wurde Longiano von der Europäischen Gemeinschaft und von der Zeitschrift Airone mit dem Titel „Villaggio Ideale“ (dt. idealer Ort) ausgezeichnet. Seit 2005 trägt er die prestigeträchtige Anerkennung „Bandiera Arancione“, das Gütesiegel des italienischen Touring Clubs für touristische und ökologische Qualität.

Mit fünf Museen, einem sehr aktiven Theater, zahlreichen über das Jahr verteilte Veranstaltungen wie „Longiano dei Presepi“ ist die Stadt, die heute etwa 7300 Einwohner hat, eines der bekanntesten und beliebtesten Kunst- und Kulturzentren der Romagna.

Der erste der Malatesta, der in der Residenz von Longiano herrschte und lebte, war Giovanni Malatesta, bekannt als Gianciotto (ca. 1245-1304), der für den Mord an seinem Bruder Paolo und seiner Frau Francesca da Polenta, die er zusammen überraschte, traurige Berühmtheit erlangte. Die Geschichte wurde von Dante Alighieri im 5. Gesang der Hölle in der Göttlichen Komödie verewigt, wo Gianciotto die ewige Strafe im ersten Kreis der Vorhölle (Caina) prophezeit wird, ein weit schlimmeres Schicksal als das von Paolo und Francesca.

Eine weitere Spur von Dante in Longiano ist die Gedenktafel am Eingang des Hofes der Malatesta-Burg, die an „Federigo Tignoso und seine Brigade“ erinnert. Im 14. Gesang des Fegefeuers erinnert Guido del Duca in einer Bezichtigung der modernen Romagna mit Wehmut an die Persönlichkeiten der alten Romagna, wo „Liebe und Höflichkeit“ vorherrschten: Darunter – im Vers 106 – Federico Tignoso, ein Adliger aus Longiano, der 1199 seine Mitbürger dazu brachte, der Stadt Rimini die Treue zu schwören.

Erwähnenswert sind auch die Schriften des lombardischen Gelehrten Paolo Sambi (1794-1873), der in dem romantischen Klima des erneuerten Interesses für Dante einen moraltheologischen Kommentar zum Inferno und 1. Gesang des Fegefeuers (Cesena 1858, Florenz 1862, 1864) verfasste.

Das fruchtbare Gebiet von Longiano bietet zahlreiche Produkte: vom Honig bis zu den größten Weinen der Romagna (Sangiovese und Trebbiano) bis zum duftenden extranativen Olivenöl, das in den zahlreichen Olivenhainen gewonnen wird. In vielen Unternehmen können die Produkte vor Ort verkostet werden. Es ist auch möglich, die alte Ölmühle Turchi di Balignano zu besichtigen. Im Frühling zieren die Blüten zahlreicher Obstbäume (Kirschen, Pflaumen, Aprikosen und Nekatrinen mit DOP-Gütesiegel) die Landschaft. Die gastronomischen Spezialitäten der longianischen Küche sind einfache und schmackhafte Gerichte der Romagna. Zu den Nudelgerichten gehören Cappelletti, Passatelli, Tagliatelle mit Fleischsauce, Lasagne, Strozzapreti, „Puntarine“ (Maltagliati). Zu den klassischen zweiten Hauptgängen gehört das allgegenwärtige romagnolische Fladenbrot, geschmortes Kaninchen, gegrilltes Hammelfleisch, Wild, Fleisch und Wurstspezialitäten vom geschätzten „Mora romagnola“-Schwein.

Malatesta-Burg und Tito-Balestra-Stiftung

Die Burg von Longiano aus dem Hochmittelalter wurde noch vor 1059 errichtet. Von 1290 bis 1463 war sie die Residenz der Malatesta, der Herrscher von Rimini, die für die Befestigung und den Ausbau der Anlage verantwortlich waren, die im 16. Jahrhundert verändert wurde, während die Innenräume im 19. Jahrhundert Änderungen unterzogen wurden. Bis 1989 befand sich in der Burg das Rathaus. Heute ist sie der ständige Sitz der Sammlung für moderne und zeitgenössische Kunst des 20. Jahrhunderts in Italien der gemeinnützigen Tito-Balestra-Stiftung im Museo di Qualità der Region Emilia Romagna, die über 5.000 Werke der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts der figurativen und sonstiger Kunstrichtungen, wie Guttuso, Morandi, Mafai, Maccari, Rosai, De Pisis, Sironi, Vespignani) sowie eine kleine, aber bedeutende Auswahl an Grafiken ausländischer Künstler wie Goya, Matisse, Chagall, Kokoschka enthält.

Italienisches Gusseisenmuseum

Das Museum ist in der ehemaligen Kirche Santa Maria delle Lacrime aus dem 18. Jahrhundert untergebracht und enthält eine originelle Sammlung von Stadtmöbeln aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, die von der Fondazione Neri kuratiert und verwaltet wird. Laternenpfähle, Brunnenelemente, Türklopfer erzählen in einem suggestiven Kontrast zu den freigelegten Ziegeln der Kirchenmauern über Kunst, hohe Kunsthandwerk, Industrie, Stil, Mode sowie über den komplexen Zeitgeist des 19. Jahrhunderts.

Das Museum hat einen zweiten Standort in der Via Emilia im Industriegebiet, wo es möglich ist, eine größere Auswahl an Erzeugnissen zu bewundern und den Ablauf der Produktionstätigkeit vom grafischen Entwurf über den Modellbau bis hin zum Guss zu verstehen.

Die Neri-Stiftung ist auch mit der Galleria delle Maschere (Galerie der Masken) verbunden: Sie enthält eine Sammlung von einunddreißig Bronzen, die die Masken der Commedia dell’arte des Künstlers Domenico Neri darstellen und sich im ehemaligen Kloster San Girolamo befindet.

Museum für sakrale Kunst – Oratorium San Giuseppe

Das Museum für sakrale Kunst, das von der Gemeinde Longiano und der Diözese Cesena und Sarsina gegründet und 1989 offiziell eröffnet wurde, befindet sich im Oratorium S. Giuseppe Nuovo, einem spätbarocken Juwel, das noch immer religiös genutzt wird. Das Museum enthält bedeutende Kunstwerke sowie kostbare und unzählige sakrale Gegenstände wie Einrichtungsgegenstände, Gewänder, Reliquien und Votivgaben. Besonders hervorzuheben sind die Reliquie des Leichnams des heiligen Märtyrers Valerius, die Ikone der Madonna der Tränen aus dem 15. Jahrhundert und eine bedeutende Skulpturengruppe aus polychromer Terrakotta: die Beweinung Christi, ein 1985 vom Architekten und Bildhauer Ilario Fioravanti (1922-2012) aus Cesena geschaffenes Werk.

Museum des Gebiets

Das 1986 in einem alten Kindergarten gegründete Museo del Territorio enthält dank der Leihgaben und Spenden von Hunderten von Bürgern über sechstausend Fundstücke aus dem Gebiet von Longiano und der Romagna im Allgemeinen. Der Rundgang erstreckt sich über zwei Etagen, auf dem das Museum mit alten Gebrauchsgegenständen, Werkzeugen der alten Handwerkskünste und der bäuerlichen Zivilisation, modernen Antiquitäten, Spielzeug der Großeltern und alten Motorrädern von unserer jüngsten Vergangenheit erzählt. Es ist eine faszinierende Reise durch die Zeit und Traditionen, die uns bewusst macht, Teil einer großen gemeinsamen Geschichte zu sein.

Petrella-Theater

Das Theater Errico Petrella mit seinem hufeisenförmigen Grundriss, zwei Logenrängen und einer Galerie ist ein wundervolles Beispiel für das italienische Theater aus dem 19. Jahrhundert. Es hat 205 Sitzplätze und zeichnet sich durch eine hervorragende Akustik aus. Das 1870 eingeweihte Theater wurde während des letzten Weltkriegs schwer beschädigt, dann aber restauriert und 1986 wiedereröffnet: Seitdem bietet es ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm, in dem die berühmtesten italienischen und internationalen Künstler auftreten.

FREMDENVERKEHRSAMT UIT LONGIANO
Via Porta del Girone 2
47020 LONGIANO

Tel. und Fax: +39 0547 665484
E-Mail: iat@comune.longiano.fc.it
Website: www.comune.longiano.fc.it

Facebook-Seite: Longiano Turismo
Instagram-Profil: Longiano Tourismo

Öffnungszeiten:
Mittwoch – Freitag: 9:30 bis 12:30 Uhr
Samstag und Sonntag: 9:30 bis 12:30 Uhr und 15 bis 18 Uhr

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