Forlì

Forlì ist eine Stadt mit mehreren nebeneinander existierenden Stilrichtungen, die ein architektonisches Szenario von unbestreitbarem Charme in einem Mix aus Mittelalter, Klassizismus und rationalen Akzenten erzeugen. Die Renaissance ist hingegen in den Werken von Marco Palmezzano vertreten, die in verschiedenen Teilen der Stadt verstreut sind.
Das pulsierende Herz der Altstadt ist seit der Antike die riesige Piazza Aurelio Saffi. Seine Säulengänge bilden eine Art Theater des Stadtlebens, wie eine Kulisse, die den Lauf der Jahrhunderte darstellen. Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten gehört die Abtei San Mercuriale, die von dem imposanten Glockenturm (mit über 70 m Höhe) dominiert wird. Im Zentrum des Platzes steht die Statue von Aurelio Saffi.
Die Stadt hat zwei große Künstler hervorgebracht: Melozzo da Forlì und seinen Schüler Marco Palmezzano
Das Stadtmuseum San Domenico hat Palmezzanos Meisterwerken eine große Ausstellung gewidmet, die von anderen wunderbaren Werken wie der „Fiasco mit Blumen“, einem der bedeutendsten Stillleben des italienischen 17. Jh., dem wunderschönen Gemälde der „Frau mit dem Jasmin“ von Lorenzo di Credi und die prächtige, wunderschöne Skulptur der Hebe von Antonio Canova.
Forlì ist auch die Stadt von Caterina Sforza, die sie nach ihrer Vorstellung und ihrem Ebenbild modellieren wollte: stark, zäh, verträumt und energisch. Heute ist dies noch in der Festung Ravaldino erkennbar.
Die Kunst des 20. Jahrhunderts ist in Forlì an einem unübersehbaren Ort vertreten: das Stadtmuseum von Palazzo Romagnoli, das die Sammlung Verzocchi mit über siebzig Gemälden enthält, die sich alle um das Thema Arbeit drehen und die Handschrift der großen Künstler des 20. Jahrhunderts, wie De Chirico, De Pisis, Guttuso, Carrà, Soffici, Capogrossi, Depero usw. tragen.
Die große Architektur des frühen 20. Jahrhunderts wird durch das imposante Gebäude der ehemaligen Flugschule verkörpert, das von Cesare Valle entworfen wurde und ein Beispiel für rationalistische Architektur darstellt. Im Inneren des Museums sind die Mosaiken des Fluges von Angelo Canevari ausgestellt, die eine echte Geschichte des Fliegens, von Ikarus bis zur faschistischen Zeit, darstellen.
Wenige Kilometer von Forlì entfernt liegt in der Ortschaft San Varano umgeben von einem grünen Park die Villa Saffi, die Aurelio, dem großen Politiker und brüderlichen Freund von Mazzini, dem Triumvir der Römischen Republik als Wohnsitz diente.
All das ist Forlì. Eine Stadt, in der das Ideal die Vorstellungskraft entfesselt und das Gewöhnliche außergewöhnlich wird.

Die Stadt Forlì ist mit ihren charakteristischen Produkten ein Aushängeschild der guten Küche. Das Fladenbrot, unbestrittene Königin der romagnolischen Tafel, erhielt 2014 das geschützte Ursprungszeichen g.g.A. (IGP) und ist das am weitesten verbreitete typische Produkt im Gebiet von Forlì. Die Romagna ist eine kulinarische Reise, die schon bei den Nudelgerichten mit den Cappelletti, mit Quark, Spinat und Parmesan gefüllte Tortelli, aber auch Tagliatelle, Strozzapreti und Passatelli beginnt. Für Farbe auf den Tellern sorgen die Wurstwaren vom romagnolischen Mora-Schwein und die Weichkäsesorten Squacquerone und Raviggiolo, die mit Traubenmost Saba, Weintrauben-Apfel Chutney „Savor“ und köstlichen karamellisierten Feigen serviert werden. Das traditionelle Menü wird durch die renommierten Weine aus dem Gebiet um Forlì ergänzt: Sangiovese, der erste Wein aus der Romagna, der 1967 das Gütesiegel DOC erhielt, Trebbiano, Pagadebit, Albana und Cagnina. Diese werden auch zu dem typischen Kranzkuchen und den Kastanien serviert.

Auch die süße ovale Focaccia mit Anissamen, die sogenannte Piadina della Madonna del Fuoco (die am 4. Februar anlässlich des Schutzheiligenfestes von Forlì zubereitet wird) sollte man unbedingt probieren.

Stadtmuseum San Domenico – Kunstsammlungen
Das Gebäude
Der Komplex von San Domenico besteht aus der Kirche, einem angrenzenden und völlig geschlossenen ersten Kreuzgang und einem zweiten, der auf einer Seite offen ist.
Die ursprüngliche Kirche (13. Jahrhundert) war kleiner als die jetzige. Die folgende Erweiterungsphase in der Renaissance verlängerte den Saal durch die fortschreitende Weiterentwicklung der Fassade und den Anbau von Kapellen, bis zur heutigen Größe, die von der 1704 abgeschlossenen Renovierung zeugt. Während der napoleonischen Zeit wurde die Kirche für militärische Zwecke enteignet und ging im Jahr 1866-67 endgültig in Staatseigentum über. Von diesem Moment an erfuhr der monumentale Komplex einen unaufhaltsamen Verfall, der erst in den 1990er Jahren mit dem Beginn seiner vollständigen Renovierung und seiner Nutzung als Stadtmuseum und Austragungsort für große Ausstellungen gestoppt wurde.
Die Sammlungen
In den Kreuzgängen und den langen Korridoren des Museums befinden sich Meisterwerke wie die prächtige Skulptur der Hebe von Canova, der „Fiasco mit Blumen“, das als eines der bedeutendsten Stillleben aus dem italienischen 17. Jh. gilt, das emblematische Porträt des italienischen Rinascimento „Frau mit dem Jasim“ von Lorenzo di Credi, eine Auswahl von großen Meisterwerken von Marco Palmezzano, darunter die erhabene „Ankündigung“, und Werke von Beato Angelico, Lorenzo di Credi, Rossellino und Cagnacci.
Das Museum enthält auch die bedeutende Pedriali-Sammlung, die neben einigen flämischen Malern, wie Ferdinand De Braekeleer und Eugene Verboeckhoven, das große Gemälde „Ochsen zum Karren“ von Giovanni Fattori, „Christus und die Ehebrecherin“ von Alessandro Magnasco, das Stillleben „Obst“ von Gaetano Luciani und zwei Stillleben von Giovanni Crivelli umfasst.

Stadtmuseum im Palazzo Romagnoli – Sammlungen aus dem 20. Jahrhundert
Das Gebäude
Der Palast hat seinen Namen von der Familie Romagnoli, die ursprünglich aus Cesena stammte und sich ab 1806 in Forlì niederließ, als Lorenzo Romagnoli während der französischen Regierung Präfekt der Stadt wurde.
Das Gebäude, das 1965 von der Familie an die Gemeinde verkauft wurde, war lange Zeit Sitz des Militärbezirks der Provinz Forlì für die medizinische Tauglichkeitsuntersuchung für die Wehrpflicht.
In seiner heutigen Form ist Palazzo Romagnoli das Ergebnis der Vereinigung mehrerer bereits bestehender Gebäudeeinheiten zu einem einzigen architektonischen Komplex.
Die Decken des Erdgeschosses und die des Hauptgeschosses, zu dem man über die monumentale Treppe gelangt, sind vollständig in einem „Übergangsstil“ zwischen Barock und Klassizismus dekoriert, der zum Teil der Werkstatt von Felice Giani zugeschrieben wird.
Die Sammlungen
Das Museum beherbergt die Städtischen Sammlungen des 20. Jahrhunderts.
Das Erdgeschoss ist der Dauerausstellung der Sammlung Verzocchi gewidmet, die der aus Forlì stammende Unternehmer Giuseppe Verzocchi (1887-1970) durch seine Liebe zu Kunst zusammengetragen hat. Die Sammlung umfasst etwa siebzig Gemälde von italienischen Künstlern verschiedener Generationen und Kunstrichtungen, die Werke von Guttuso bis Donghi, Campigli, De Chirico, De Pisis und Depero, denen allen das Thema „Arbeit“ gemein ist.
Die Besichtigung wird im ersten Stock mit den Ölgemälden und Stichen von Giorgio Morandi aus der Schenkung Righini, den Skulpturen von Adolfo Wildt, die mit der Figur von Raniero Paulucci aus Calboli verbunden sind, und einer Auswahl von Gemälden und Skulpturen aus dem Forlì des 20. Jahrhunderts fortgesetzt.

Abtei San Mercuriale
Das Gebäude
Die dem ersten Bischof von Forlì gewidmete Abtei San Mercuriale (1178 – 1181) ist ein außergewöhnliches Beispiel für ein Denkmal von religiösem, künstlerischem und bürgerlichem Wert.
Die von dem imposanten Glockenturm im lombardischen Stil (über 70 m hoch) überragte Abtei wurde auf den Überresten der Pfarrkirche Santo Stefano aus dem 6. Jahrhundert errichtet. Das heutige Erscheinungsbild ist das Ergebnis umfangreicher Restaurierungsarbeiten aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.
Die Fassade beherbergt ein echtes Meisterwerk: die Lünette des Portals wird durch das Hochrelief „Traum und Verwirklichung der Heiligen Drei Könige“ aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts verschönert, die dem Maestro dei Mesi aus Ferrara zugeschrieben wird. Es wird vermutet, dass dieses plastische Werk eine der ersten in Stein gehauenen Krippen darstellt.
Der Innenraum
Der Innenraum der Kirche hat einen Basilika-Grundriss und ist demnach in drei Schiffe unterteilt. Im Inneren werden zahlreiche Meisterwerke der Kunst aufbewahrt. Das Grabdenkmal für Barbara Manfredi (1466) von Francesco di Simone Ferrucci aus Fiesole zeichnet sich durch die Feinheit der Gestaltung und der Dekorationen aus.
Eine besondere Stellung nehmen einige Altarbilder von Marco Palmezzano ein, wie die bedeutende Madonna mit Kind und den Heiligen Johannes und Katharina von Alexandrien, die außergewöhnliche Unbefleckte Empfängnis mit den Heiligen Augustinus, Anselm und Stephanus, das Altarbild mit dem wunderbar gearbeiteten Kruzifix, den Heiligen Johannes Gualbert und Maria Magdalena.

Ehemalige Flugschule. Mosaike des Fluges
Das Gebäude
Das imposante Gebäude nach dem Entwurf des Architekten Cesare Valle (1902-2000) istein maßgebliches Beispiel rationalistischer Architektur.
Das aus zwei Blöcken bestehende Gebäude wurde für die Unterbringung von bis zu vierhundert Schülern des Collegio Aeronautico benutzt: Ein Block an der Via Roma war ursprünglich für Wohnzwecke bestimmt und ein Block am Piazzale della Vittoria wurde für Bildungs- und Sportaktivitäten genutzt.
Seit dem Zweiten Weltkrieg bis heute sind in der Gebäudeanlage Bildungseinrichtungen untergebracht.
Die Vorderseite des Gebäudes in Richtung Piazzale della Vittoria wird von der imposanten Statue des Ikarus aus weißem Carrara-Marmor von Francesco Saverio Palozzi dominiert.
Die Mosaike des Fliegens
Das Innere des Gebäudes enthält die Mosaike des Fliegens. Dieser große Mosaikzyklus nach den Zeichnungen des Malers Angelo Canevari (1900-1954) aus Viterbo, der sich seit Anfang der 1930er Jahre der futuristischen Bewegung der Flugzeugmalerei angeschlossen hatte, schmückt die Wände des Cortile Italico.
Im zeitgenössischen Kunstpanorama, das den Flugunternehmungen gewidmet ist, ist die riesige schwarz-weiße Mosaikdekoration von Canevari aufgrund der sehr großen Mosaikfläche und ihres sehr szenischen Charakters einzigartig. Dieses großartige Werk vermittelt die wahre Geschichte des Fliegens beginnend bei Ikarus und Leonardos Flugmaschinen über die Pionierleistungen der Luftfahrt der folgenden Jahrhunderte bis hin zu den Flugerfahrungen in Friedens- und Kriegszeiten während der 20 Jahre Faschismus.

Stadtpark „Franco Agosto“
Im wenige hundert Meter von der zentralen Piazza Saffi entfernten Stadtpark „Franco Agosto“ lohnt es sich, ein wenig Zeit  zu verbringen. Er integriert sich perfekt in die Altstadt von Forlì und den Museumskomplex San Domenico (in dessen Nähe sich einer der Eingänge zum Park befindet), zählt einereiche Vielfalt an Bäumen und Sträuchern über eine Ausdehnung von über 20 Hektar zu seinem Bestand und stellt damit eine einzigartige Grünanlage Italiens dar.
Im Park gibt es zahlreiche wildlebende Tierarten, Erfrischungsbereiche, Kinderspielplätze, entlang den Alleen angeordnete Skulpturengruppen, Räume für sportliche Aktivitäten und einen Teich, von dem man wunderschöne Sonnenuntergänge genießen kann. In den wärmeren Jahreszeiten kann man den lebhaften Partien des im Gebiet von Forlì typischen Kartenspiels „Maraffone“ beiwohnen.

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