Cesena

Und die umspült der Savio – wie die Feste
Selbst zwischen Tal und Berg liegt – muss sie schwanken:
Ob Tyrannei, ob Freiheit sei das Beste?

Zwischen den grünen Hügeln und der Ebene hat Cesena die Ehre, vom Obersten Dichter in der Göttlichen Komödie ausdrücklich erwähnt zu werden. Zu Dantes Zeiten lag die Stadt auf halbem Weg zwischen zwei Welten: der freien Gemeinde des Hochmittelalters und den anderen Städten in der Gegend, die bereits den Herrschern unterworfen waren. Dieser Zustand der Instabilität führte später von einer immer müderen und schwächeren kommunalen Regierung zur abwechselnden Machtübernahme „fremder“ Herrscher, wie die Montefeltro, Polenta und Ordelaffi.
Ab Ende des 14. Jahrhunderts erreichte Cesena unter den Malatestas den Höhepunkt seiner Pracht. In den hundert Jahren ihrer Herrschaft haben sie der Stadt einen unauslöschlichen Stempel aufgedrückt, indem sie die Stadt vergrößerten, die Festung errichteten, die Stadtmauern mit ihrem ursprünglichen skorpionförmigen Umriss bauten, die noch heute in hervorragendem Zustand sind, und vor allem die Malatesta-Bibliothek einrichteten. Mit dem Ende des kurzlebigen Herzogtums von Cesare Borgia, dessen Hauptstadt Cesena war, kehrte die Stadt unter die direkte Herrschaft des Kirchenstaates zurück und brachte zwei Päpste, Pio VI. Braschi und Pio VII. Chiaramonti, hervor.
Dantes Gleichnis beschreibt auch gut die besondere geografische Lage im Zentrum der Romagna, nicht weit entfernt von der Adriaküste und den Bergen des toskanisch-romagnolischen Apennins, benetzt vom Fluss Savio, zwischen der Ebene und dem Berg Garampo.
Ein Spaziergang durch die Straßen der bezaubernden Altstadt offenbart Einblicke von großer Schönheit, wie die Piazza del Popolo mit dem Masini-Brunnen, der ein herrliches Beispiel des späten Manierismus aus dem 16. Jahrhundert darstellt, oder der Parco della Rimembranza um die Festung. Bei jedem Schritt kann man die zahlreichen Kunst- und Kulturschätze der Stadt entdecken.
Heute ist Cesena eines der wichtigsten Zentren der Romagna und empfängt Besucher, die auf der Suche nach einer Erfahrung im Zeichen der Geschichte, Landschaft und guter Lebensart sind.

Die Via delle Scalette und der Aufstieg auf den Berg
Dieses aus Stufen und Kopfsteinpflaster bestehende Juwel führt von der Stadt zwischen Häusern und Bäumen zum Gipfel des Monte Spaziano hinauf, auf dem die Benediktinerabtei Santa Maria del Monte steht.
Generationen von Bewohnern Cesenas sind über das Kopfsteinpflaster der alten Straße gelaufen und auf ihren Stufen haben sich Kinder zum Spielen und Verliebte für einen Spaziergang getroffen. Es ist einer der Lieblingsorte der Bewohner Cesenas zwischen dem weltlichen und spirituelleren Teil der Stadt. Einen Spaziergang auf der Via delle Scalette, die seit tausend Jahren treuer Zeuge der Geschichte der Gemeinde ist, sollte man sich nicht entgehen lassen: Es ist nicht nur ein Weg zu einer körperlichen, sondern auch geistigen Erhebung, die besonders bei Sonnenuntergang oder bei einer magischen Abendstimmung „unter dem Sternenhimmel“, wie der Oberste Dichter sagt, einen außergewöhnlichen Ausblick bietet.

Unter den Bänden der Malatesta-Bibliothek befindet sich ein wertvoller Druck von 1579 der italienischen Übersetzung von De vulgari eloquentia. Der Geist Dantes schwebte oft über dem kulturellen Leben von Cesena: von Giovanni del Virgilio, der eine intensive Korrespondenz mit Dante führte (1319-1321), bis zu Benedetto da Cesena, dem „Nachahmer“ des dritten Gesangs im 15. Jahrhundert mit seinem De Honore mulierum, von Iacopo Mazzoni, dem Autor der berühmten Difesa della Commedia di Dante (1587) bis zu dem großen Literaten aus Cesena, Renato Serra, der „Su la pena dei dissipatori, Hölle XIII 109-29“, einen sehr schönen Aufsatz über Dante schrieb.

Vom östlichen Teil der Altstadt kann man neben dem Ponte Vecchio (Alte Brücke) am Flussufer entlang im Park des von Dante erwähnten Flusses Savio in Richtung Poebene und Meer gehen und dabei das Gebiet der römischen Limitation sehen oder sich in entgegengesetzter Richtung bis nach Roversano und den Wegen der ersten Berge von Cesena bewegen, wo man eine eindrucksvolle ländliche Landschaft bewundern kann, die im Frühling durch Reihen blühender Obstbäume verschönert wird. Die Achtsamkeit für die Natur und die jüngsten Arbeiten zur Erhaltung und Verbesserung des Ökosystems können die Wanderer an der Artenvielfalt einer fauna- und florareichen Umgebung erkennen.

Cesena zu lieben bedeutet auch, das typische gute Essen in der Romagna zu lieben. Nennenswert sind vor allem die hervorragende Gerichte für die Festtage, wie die Cappelletti in Brühe, oder das allgegenwärtige Fladenbrot, das laut Giovanni Pascoli „das Brot der Romagna“ ist und mit Aufschnitt oder dem regionalen Squacquerone-Frischkäse aus der Romagna immer an den typischen Kiosken in der ganzen Stadt erhältlich ist.

Malatesta-Bibliothek
Die 1454 eingeweihte Malatesta-Bibliothek ist ein Juwel von unschätzbarem Wert und bietet Besuchern ein einzigartiges Erlebnis. Sie ist die erste Stadtbibliothek, die zu einer Zeit entstand, als diese Tempel der Kultur ausschließlich der Kirche oder Privatleuten vorbehalten waren: der Herrscher von Cesena, Domenico Malatesta Novello, beauftragte zusammen mit seiner Frau Violante den Bau und schenkte sie dann der Stadt.
Darüber hinaus ist sie weltweit das einzige Beispiel für eine humanistische Bibliothek, deren Gebäude, Einrichtung und Büchersammlung von 345 handgeschriebenen und 48 gedruckten Bänden perfekt erhalten sind. Wenn man heute die Nuti-Halle betritt, beginnt man eine echte Zeitreise in die Vergangenheit.
Im Jahr 2005 erkannte die UNESCO den Wert der Bibliothek und nahm sie – als erste Stätte in Italien, als einzige in der Emilia-Romagna und als eine von nur acht im ganzen Land – in das angesehene Register „Memoire du Monde“ auf.

Rocca Malatestiana
Hoch oben auf dem Monte Garampo dominiert die Rocca Malatestiana die Stadt. Es ist ein Ort von seltener Schönheit und aus den weit zurückliegenden Zeiten der Malatesta. Der Bau wurde 1380 von Galeotto Malatesta begonnen, von seinen Nachfolgern Andrea und Malatesta Novello fortgesetzt und 1477, während der päpstlichen Herrschaft, vollständig renoviert und vollendet. Heute ist sie eine der imposantesten und am besten erhaltenen Festungen der Romagna. Über den Parco della Rimembranza erreicht man den Eingang, wo ein großer Innenhof den Besucher in seinen alten Mauern empfängt. Dort können die internen Laufwege und Panoramaterrassen besichtigt werden, von denen die ganze Stadt und die Umgebung bewundert werden kann. Der Ausblick reicht von den Bergen bis zum Meer. In der Mitte des Hofes stehen die beiden Türme, der Männliche und der Weibliche, in denen das Museum für Agrargeschichte, die alten Gefängnisse und die Ausstellung der Turnierwaffen besichtigt werden können.

Abtei Santa Maria del Monte
Nur wenige Schritte von der Altstadt von Cesena entfernt überblickt und schützt die tausendjährige Benediktinerabtei Santa Maria del Monte auf dem Monte Spaziano die ganze Stadt. Sie ist in wenigen Minuten auch zu Fuß über die eindrucksvolle Via delle Scalette erreichbar, die herrliche Ausblicke gewährt.
Die Basilika ist für die Einwohner von Cesena ein sehr beliebter und wichtiger Ort. Seit der Antike stellt er ein Zentrum der Anbetung und Verehrung der Gemeinde dar, wie die wertvolle Sammlung von Votivgaben beweist, die von großem historischem und kulturellem Wert ist. Die Votivbilder wurden als Dank für den Schutz der Jungfrau und ihre Fürsprache bei dramatischen Ereignissen, die den Bürgern im Laufe der Jahrhunderte widerfahren sind, angefertigt und dem Altar gestiftet.
Von großer Bedeutung ist auch das malerische Erbe im Inneren der Kirche und insbesondere in der Kuppel, die im 18. Jahrhundert von Giuseppe Milani aus Parma verwirklicht wurde.
Im Inneren des Basilikakomplexes befindet sich auch die Restaurierungswerkstatt antiker Bücher, die s antike Texte auf Papier oder Pergament konserviert und wiederherstellt.

Villa Silvia-Carducci
Die prächtige Villa aus dem 18. Jahrhundert auf den grünen und sanften Hügeln zwischen dem Zentrum von Cesena und Bertinoro, gehörte der Gräfin Silvia Pasolini Zanelli, die 1874 Eigentümerin wurde und sie zum Salon der damaligen Kultur der Romagna machte. Neben anderen Intellektuellen war hier auch Giosuè Carducci zu Hause: Davon zeugt sein Schlafzimmer, das in seiner ursprünglichen Einrichtung erhalten ist. Hier befindet sich auch das sehenswerte Musicalia Museum. Auf einer Reise durch die Jahrhunderte kann man in sieben Räumen mechanische Musik entdecken, die von Leonardo Da Vincis mechanischer Trommel bis hin zu den bürgerlichen Salons des 19. Jahrhunderts voller Klangmöbel, von winzigen animierten Spieluhren bis hin zu großen Jahrmarktsorgeln, die ganze Orchester reproduzieren, reicht. Die Villa ist vom eindrucksvollen sprechenden Literaturgarten umgeben, der Geschichten und Anekdoten über die Geschichte des Ortes erzählt.

Alles Wege Dante erkundet...