Bertinoro

Bertinoro, der „Balkon der Romagna“ mit einem herrlichen Blick auf das Meer und die Hügel, ist ein historischer Weiler, der seine alte Struktur mit gepflasterten Gassen und kleinen Einblicken in die Vergangenheit erhalten hat.

Das Herz von Bertinoro bildet die großzügige und elegante Piazza della Libertà, von der man auf einer Seite die Ebene der Romagna und auf der anderen den Dom, den Palazzo Ordelaffi, den Turm und im Hintergrund die Colonna delle Anella, das Symbol der Gastfreundschaft, den Dreh- und Angelpunkt der Geschichte und der Traditionen von Bertinoro, bewundern kann. Hier findet im September das wichtige Fest der Gastfreundschaft statt, bei dem sich die Häuser der Einwohner von Bertinoro für Gäste öffnen, um ihnen am Festtag das berühmte Mittagessen nach Romagna-Art anzubieten.

Die tausendjährige Festung beherrscht den Hügel: Sie wurde wunderbar restauriert, dient als Sitz des Universitätswohnheims und enthält das interreligiöse Museum, ein authentisches Kulturjuwel, das den drei großen monotheistischen Religionen gewidmet ist.

Bertinoro ist auch wegen seines Weins bekannt. Tatsächlich eignen sich die Hügellandschaften dieser Region am besten für den Weinanbau. Rund um den Ort liegen etwa tausend Hektar Weinberge, auf denen hauptsächlich Sangiovese- und Albana-Trauben, aber auch Cagnina- und Pagadebit-Reben angebaut werden. Die erzeugten Weine müssen unbedingt mit den gastronomischen Spezialitäten der Romagna-Tradition, wie das duftende Fladenbrot oder der köstliche Squacquerone-Käse probiert werden.

Sogar Dante Alighieri kam in den Genuss der Gastfreundschaft von Bertinoro: In der Hügellandschaft um das Dorf liegt Polenta, wo Guido da Polenta, Herr von Ravenna, den verbannten Dichter empfing, der wahrscheinlich in der alten Pfarrkirche lombardischen Ursprungs Zuflucht fand, die wunderbar erhalten ist und von Giosuè Carducci in seiner schönen „Ode an die Chiesa di Polenta“ besungen wird.

Die traditionelle Gastfreundschaft ist hier tief verwurzelt: Seit dem Mittelalter öffnete das Dorf seine Tore für Pilger und die Anella-Säule ist das wichtigste Zeugnis dafür. Und eben diese Gastfreundschaft macht die Bindung zwischen Dante und Bertinoro aus, denn es war eine der ersten Städte der Romagna, die den Dichter aufnahm, der bei Scarpetta Ordelaffi, der ghibellinischen Herrin von Forlì und Bertinoro, Zuflucht fand. Die Familie Da Polenta, die Dante in den letzten Jahren seines Lebens in Ravenna beherbergte, stammte ebenfalls ursprünglich aus Bertinoro.

Verschiedene Figuren aus Bertinoro tauchen auch in der Göttlichen Komödie auf: die unvergessliche Francesca da Polenta, der edle Guido del Duca und die liebenswürdigen Brigaden von Arrigo Mainardi und Lizio da Valbona

Bertinoro ist die Stadt des Weines.

Dies ist in der Tat eines der hügeligen Gebiete der Region, das sich am besten für den Weinanbau eignet. Albana ist das maßgeblichste Zeugnis des Territoriums: eine Rebe mit großer Persönlichkeit und die erste DOCG mit weißen Beeren in Italien; auch wenn Sangiovese den Produktionsrekord hält, der hier in der ‚Reserve‘-Version ‚Bertinoro‘ heißt. Neben ihnen sind auch Bombino Bianco und Terrano erwähnenswert, die in der Romagna Pagadebit bzw. Cagnina Dolce hervorbringen. Zahlreiche Weingüter, die über das Gebiet verstreut sind, und auch viele Orte im historischen Zentrum, um die Weine der Region kennenzulernen, zu kaufen oder zu probieren.

Bertinoro bietet außergewöhnliche Möglichkeiten für Rad-, Bike- und Trekking-Begeisterte und Routen für jeden Geschmack und jeden Schwierigkeitsgrad: Hier können Sie inmitten von blühenden Weinbergen und wunderschönen Naturlandschaften auf Straßen fahren, auf denen große Champions, wie Pambianco aus Bertinoro, Protagonist des Giro d’Italia und traditioneller Wettkämpfe zwischen den 1950er und 1960er Jahren, oder in jüngerer Zeit der unvergessliche Marco Pantani, trainiert haben. Oder Sie können sich selbst auf die Probe stellen, indem Sie zumindest eine Etappe des Nove Colli, Italiens berühmtestes Radtourismusrennen, ausprobieren, das in Cesenatico beginnt und neun Hügel hinauf und hinunter führt.

In prähistorischer Zeit war ein großer Teil der Romagna vom Wasser überflutet und auf einigen höher gelegenen Gebieten begannen sich Meeresablagerungen anzusammeln: So entstand der „Spungone“ (vom mundartlichen Wort „spungò“, schwammig), ein besonderes Kalksandsteingestein, das aus einer groben Mischung von Muscheln besteht, und heute den Berg von Bertinoro bildet. Seine Schönheit besteht in den deutlichen Gesteinsschichten, die das Meer mit seiner steten Bewegung hinterlassen hat. Natürlich wurde der Stein auch als Baumaterial für Gebäude und die wichtigsten Anlagen der Altstadt genutzt: Palazzo Ordelaffi, die Festung, der Sitz des Universitätszentrums und des Museo Interreligioso, die Verteidigungsmauern und die Tore zum Ort.

In Bertinoro sind die Kultur des Weines und des guten Essens und die sprichwörtliche Gastfreundschaft die wichtigsten Alleinstellungsmerkmale.

Die Sorte „Gentile di Bertinoro“ der Albana-Rebe ist das bekannteste Erzeugnis des Gebiets. Die vorgesehenen Sorten trocken, süß, prickelnd, lieblich und geharzt zeigen, wie vielseitig und tief verwurzelt diese Traube ist, die als erste weiße Traube in Italien das Gütesiegel DOCG erhielt. Heutzutage hält jedoch der Sangiovese den Produktionsrekord. Der Sangiovese heißt hier dank der „zusätzlichen geografischen Angabe“ in der „Reserve“-Version „Bertinoro“. Außerdem sind auch die Reben Bombino Bianco und Terrano nennenswert, aus denen in der Romagna der Pagadebit (der so genannt wird, weil die Bauern durch seine große Ausbeute ihre Schulden bezahlen konnten) bzw. der süße Cagnina erzeugt wird.

Um diese Weine zu kosten, zu erkunden oder zu kaufen gibt es nichts Besseres, als in eines der vielen Weingüter in Bertinoro zu gehen, die an der Wein- und Spezialitätenstraße in der Hügellandschaft von Forlì-Cesena liegen. Ansonsten kann man eine Pause in einer der vielen Bars und Restaurants in der Altstadt einlegen, wo lokale Weine mit traditionellen Spezialitäten aus der Romagna serviert werden: Nudelgerichte, die von den Händen der „Sfogline“ kreiert werden, die den Nudelteig noch mit dem Nudelholz bearbeiten, und zu guter Letzt das duftende Fladenbrot, das „Nationalbrot der Romagna“, das die ideale Begleitung für lokale Salami, Wurstwaren und köstlichen Frischkäse ist (z.B. der köstliche Squacquerone, ein runder, krustenloser Weichkäse mit dem Gütesiegel g.U.). Dazu passen auch Marmeladen, Saba (Traubensirup oder gekochter Most) und Savor (Obstkonserven aus Most).

Willkommen in Bertinoro, einem freundlichen Dorf, in dem Gastfreundschaft großgeschrieben wird

Die Geschichte von Bertinoro wurde mit kostbaren Fäden gewoben. Die italienische Bezeichnung für Gold, also „oro“, im Namen des Dorfes ist nach einer wirkungsvollen Legende auf die Kaiserin Galla Placidia zurückzuführen. Nachdem sie den köstlichen Wein Albana aus diesen Weinbergen gekostet hatte, soll sie ausgerufen haben: „Du bist es wert, in Gold getrunken zu werden!“. Und noch kostbarer ist der rote Faden der Gastfreundschaft, der seit dem Mittelalter dazu geführt hat, dass dieses Dorf mit seiner unvergleichlichen Aussicht und dem Beinamen „Balkon der Romagna“ Pilgern, Reisenden und Exilanten seine Tore öffnet.

In Bertinoro ist das Herz und Symbol der Gemeinschaft die Anella-Säule aus dem 13. Jahrhundert. Die Ritter bestimmten die Adelsfamilie, die sie aufnehmen würde, indem sie hier ihre Pferde anbanden. Heute wird an jedem ersten Sonntag im September mit einer historischen Prozession mit Fahnenschwingern, Damen und Rittern feierlich an die Gastfreundschaft erinnert. Die eigentlichen Protagonisten sind jedoch die Besucher, die aufgefordert werden, einen der vielen an der Säule hängenden Umschläge zu wählen, um Gäste einer Familie des Dorfes zu werden. Die historische Neigung zur Gastfreundschaft wird auch dadurch belegt, dass Bertinoro auch dem berühmtesten unter den Flüchtlingen Zuflucht bot: Dante Alighieri. Unter den mit ihm verbundenen Orten ist zuerst die Ringsäule zu erwähnen: Im vierzehnten Gesang des Fegefeuers trifft der Oberste Dichter ihren Erfinder Guido Del Duca und erinnert sich mit ihm an Bertinoro „Wie Fraun und Ritter uns bei Mühn und Freuden zu Minne und zu hohem Sinne führten“.

Hinter der Säule steht der nüchterne Palazzo Ordelaffi, der heute als Rathaus genutzt wird und ebenfalls mit Dante verbunden ist. Eine der ersten Personen in der Romagna, die Dante Zuflucht bot, war die mächtige Familie Ordelaffi, die damals Bertinoro beherrschte und die das Gebäude zu Beginn des 14. Jahrhunderts errichten ließ, da sie sich der Rückkehr der Romagna zur Herrschaft des Kirchenstaates während des gesamten 14. Jahrhunderts widersetzte. Der Palast ist der Hüter des zivilen und historischen Andenkens von Bertinoro. Obwohl es in den 1930er Jahren restauriert wurde, hat es immer noch seinen mittelalterlichen Charme bewahrt. Ein Palast der Schönheit und ein Symbol der unverzichtbaren Freiheit, der verbissen verteidigt wurde, selbst als die Bischöfe ihn abreißen wollten, um Platz für die Kathedrale der Heiligen Katharina von Alexandria zu schaffen.

Der Dichter wurde jedoch nicht hier untergebracht (der Palast befand sich noch im Bau), sondern verbrachte einen der ersten Winter seines Exils in der imposanten Festung, die das Dorf überragt und sich an einen Ausläufer des „Spungone“ klammert, dem eigentümlichen Felsgestein, der die Hügel dieses Teils der Romagna bildet. Er ist auf einem kurzen Spaziergang über eine steile Straße erreichbar, die zur Spitze des Hügels führt. Die Anstrengung des Aufstiegs wird durch die Aussicht auf die Meeresküste, wo der Po mündet, wie schon Dante sagt, belohnt. Die Festung wurde am Ende der 1990er Jahre vollständig restauriert. Heute wird sie für eine ausgezeichnete Universität für Studenten und Forscher aller Welt benutzt und beherbergt im ältesten Teil das eindrucksvolle und sehr interessante Museo Interreligioso, das dem Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen gewidmet ist.

Die alte Pfarrkirche von San Donato im Ortsteil Polenta erinnert am meisten an Dante. Es war nämlich Guido da Polenta, der damalige Herrscher von Ravenna, der Dante in den letzten Jahren seines Lebens Zuflucht gewährte. Giosuè Carducci – dem eine Einsiedelei neben der Pfarrkirche gewidmet war – erinnert in seiner berühmten Ode „La chiesa di Polenta“ (Die Kirche von Polenta) an Dante, indem er ihn in Meditation kniend zwischen den schlichten Schiffen der Pfarrkirche darstellt und sich Francesca da Rimini (Tochter der Familie „Da Polenta“) hier vorstellt, um „ihre brennenden Augen mit einem Lächeln zu mildern“. Auf einem der Hügel in der Nähe von Polenta erinnert die sagenumwobene „Francesca-Zypresse“ daran. In Wirklichkeit wurde der ursprüngliche Baum durch einen Blitzschlag zerstört, aber durch eine neue Zypresse ersetzt, die von Carducci selbst im Jahr 1897 gepflanzt wurde, wie die Fotos aus dieser Zeit bezeugen.

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